Berichte

 

Die 0G Zürichsee hat einen Weltmeister: Urs Marty

Vom 30. April bis 02. Mai 2004 fanden in Dessen an der Schwarzen Elster (Deutschland), die 10. FCI IPO-Weltmeisterschaften für Fährtenhunde statt. Mit seinem zweiten Platz an der Schweizer Meisterschaft hatte sich unser Präsident und Übungsleiter, Urs Marty, zusammen mit seinem treuen Gefährten, Darco vom hohen First, für die Teilnahme an dem Titelkampf qualifiziert. Damit Urs nicht ganz ohne Unterstützung in den Wettkampf musste, machten sich zwei Sihlhäldler am Donnerstag 29. April, in den frühen Morgenstunden, auf den langen Weg ins Bundesland Sachsen-Anhalt. Bereits bei unserer Ankunft zeigte sich Dessen von seiner schönsten Seite. Die Sonne lachte und die Temperatur war angenehm. Dies trotz starkem Wind und einigen Wolkenfeldern. Nachdem wir im Hotel Schwarzenbach unser Quartier bezogen hatten, trafen wir um die

.

(von links: Mannschaftsführer Peter Moosbacher, Erwin Patzen und Urs Marty).

Mittagszeit auf das Team Schweiz. Freundlich wurden wir durch den Mannschaftsführer Peter Mossbacher, den beiden Hundeführern, Urs Marty und Erwin Patzen sowie deren Ehefrauen Pamela und Gina empfangen. Nach einem Willkommens-Bier warteten alle auf die bevorstehende offizielle Eröffnung der Weltmeisterschaft. lm Stadion von Dessen fanden sich viele Fans und Freunde des Hundesports ein, um dem Einmarsch der 28 Mannschaften aus 17 Nationen beizuwohnen. Unter den einlaufenden Teams war auch eine Mannschaft aus den USA, welche sich auf die weite Reise gemacht hatte, um Weltmeister zu werden (gemäss Interview in der Mitteldeutschen Zeitung).

Bei strahlendem Sonnenschein präsentierte sich das Team Schweiz. Nach den erstklassig organisierten Eröffnungsfeierlichkeiten warteten alle Teilnehmer auf den grossen Moment der Auslosung im Hotel Schützenhaus. Nach der Mannschaftsziehung folgte der Gang jedes einzelnen Teilnehmers an die 'Flaschen' (die Lose waren an heimischen Weissweinflaschen angebracht). Vom Losglück konnten Erwin und Urs nicht profitieren. Zogen sie doch die selbe Gruppe, was einen Start am Freitag- und Samstagmittag zur Folge hatte.

Nach einer ruhigen Nacht von uns Schlachtenbummlern trafen wir um 09:00 Uhr im Frühstücksraum des Hotels auf das leicht angespannte Team Marty. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Anmeldung für den ersten Wettkampftag. Geführt von einem Ordner fuhren wir an fast unendlich scheinenden Feldern entlang ins Fährtengelände. Weizenfelder so weit das Auge reicht. Von solchen Feldern können wir Schweizer nur träumen. Gespannt war man auf die Auslosung der Fährten vor Ort. Denn um die Mittagszeit herrschten in der Zwischenzeit Temperaturen von 23 bis 25 Grad und ein kräftiger Wind wehte uns ins Gesicht. Vom Team Schweiz mussten Erwin und seine Hündin Kleo zuerst an die Arbeit. Die zugeteilten Fährten hatten es in sich. Stand der Weizen teilweise so hoch, dass der Hund nicht mehr zu sehen war. Erwin beim Einsuchen (wo ist Kleo?) Trotz schwieriger Verhältnisse erreichten Erwin und Kleo das Ziel, was vor ihnen erst wenige Teams geschafft hatten. Nach Erwins 93er-Fährte strebte Urs auch ein gutes erstes Resultat an. an, mit Blick auf eine mögliche Verteidigung des Mannschafts Titels. Gespannt auf das zugeloste Gebiet setzten wir uns in den Wagen und fuhren zum Fährtengelände.

Auch dieses Gelände hatte es in sich. Böiger Wind, hoher Weizen und pralle Sonne machten die Aufgabe nicht einfach. Gespannt beobachteten Dino und Pamela die Arbeit von Urs. Zumal es Pamela schwer fiel, gleichzeitig den Feldstecher zu halten, die Daumen zu drücken und ihre Nervosität mit einer Zigarette in Schach zu halten. Doch mit all seiner Routine und seinem Können meisterte Urs die ihm gestellte Aufgabe bravourös. Das kühlen des Hundes während der Arbeit zahlte sich aus. Mit dem Resultat von 91 Punkten war Urs zufrieden.

.

War er doch zuvor noch nie an einer Weltmeisterschaft am Start. Ein Glück dass der Veranstalter an das Wohl der Teilnehmer und Besucher gedacht hat. Ein ganzer Tross von Fahrzeugen begleitete die Veranstaltung. Die Organisatoren liessen keine Wünsche offen. War es doch möglich, einige der Teilnehmer von der mobilen Tribüne aus (Sattelschlepper mit Aufleger) zu beobachten und gleichzeitig Hunger und Durst zu stillen. Ein Grillwagen und eine fahrbare Bar machten es möglich. Selbst für die Notdurft war gesorgt. Musste man am Wegrand nur auf das rollende WC warten, welches seine Runden drehte.

Ein kühles Bier oder zwei rundeten den erfolgreichen ersten Einsatz für das Team Schweiz ab. Der Abend des ersten Wettkampftages waren die Mannschaften beim Bürgermeister eingeladen. Dino und mich zog es mehr zur 'gut bürgerlichen Küche'. Wie sich später herausstellte, hatten wir an dem Abend das bessere Ende für uns. Zu später Stunde trafen wir uns alle wieder am Frühlingsfest im Dorf.

Am Freitag herrschten bessere Verhältnisse, denn der Wind hatte sich etwas gelegt. Bei strahlendem Sonnenschein und leicht kühleren Temperaturen machten wir uns am Vormittag auf die Suche nach dem Fährtengelände. Bei der Besichtigung des Geländes mussten wir feststellen, dass das Losglück eine entscheidende Rolle spielte. Alle Teilnehmer welche erst am Samstag in den Wettkampf eingegriffen hatten, profitierten von den besseren Bedingungen. Der Weizen in dieser Gegend stand nicht mehr so hoch (noch ca. 30 cm). Die Hunde waren während der ganzen Arbeit zu sehen. Dementsprechend wurden durchwegs sehr gute Resultate erzielt (98, 97 und 96 Punkte). Beim Ziehen der zweiten Fährte machten es Urs und Erwin spannend. Ihre Startzeiten lagen nur 30 Minuten auseinander. Da ihre zugelosten Fähren aber nebeneinander lagen, war es uns trotzdem möglich, beide Teilnehmer bei der Arbeit zu beobachten.

Am Nachmittag war der Himmel teilweise mit Wolken verhangen und es war etwas kühler. Im Unterschied zum Vortag konnten Urs und Erwin sehr zufrieden sein mit dem Gelände. Wieder war es ein Weizenacker, aber die Frucht stand noch nicht so hoch. Da Urs noch einige Zeit bis zum Start blieb, übte er sich in der Meditation (er legte sich zusammen mit Darco aufs Ohr). Erwin und Kleo mussten vor Urs bereit stehen. Dann ging es los für die Zwei. Kleo brauchte keine zehn Sekunden, bis sie den Kontrollgegenstand aufgespürt hatte. Es zeigte sich bald, dass da ein Weltmeister mit seinem Hund unterwegs war. Von unserem Standort aus war kaum ein Fehler oder eine Unsicherheit auszumachen. Viel schneller als am Vortag beendeten Erwin und Kleo ihre Arbeit. Auch der Richter konnte nicht viel beanstanden und belohnte die Arbeit mit vorzüglichen 98 Punkten.

Von diesem guten Resultat angespornt, machten sich Urs und Darco an ihre Führte. Ruhig und sicher marschierte Darco los. Nach einer Geraden ging es in den Bogen. Dort legte sich Darco zögerlich hin. Wie sich später herausstellte, was das ein Fehlverweis. Danach gab es an der Arbeit vom Team Urs und Darco nicht viel auszusetzen. Ab und zu blieb Darco vor den Winkeln stehen und sicherte sich ab. Ein Jubeln ertönte, als auch Urs das Ziel erreichte. Bei der minuziösen Bewertung der Arbeit durch den Richter, welcher das Stehenbleiben von Darco als 'kleine Unsicherheit' taxierte, waren alle gespannt. Der Fehlverweises kostete Urs zwei Punkte. Trotzdem wurde die Arbeit als Vorzüglich, mit 96 Punkten, bewertet.

Nun war die Anspannung bei allen Anwesenden weg. Erfreut über die sensationellen Resultate machten wir uns auf den Weg zur rollenden Bar. Es konnte gefeiert werden. Nachdem sich einer der grössten Gegner (Team Deutschland) auf den Mannschaftstitel einen Fehler geleistet hatte (überlief einen Gegenstand), war die silberne Auszeichnung im Mannschaftswettkampf perfekt. Die Betroffenheit stand den Fans und Betreuern der Deutschen Mannschaft im Gesicht. Wurde doch kurzerhand die zuvor gehisste Fahne wieder eingerollt. Nur noch die slowakische Mannschaft konnte zu diesem Zeitpunkt den Team Schweiz den Titel streitig machen. Ein gemütlicher Abend in Jessen rundete den schönen und erfolgreichen Tag ab. Bis in die frühen Morgenstunden wurde im Hotel noch mit hochrangigen Funktionären des FCI bei einem Bier diskutiert und gelacht. Dabei stellte sich heraus, dass Hündeler auch andere Sachen beherrschen.

Leider mussten Dino und ich die Heimreise schon am Sonntagmorgen antreten. Auf dem Weg in die Schweiz wurden wir über den Gewinn des Mannschaftstitels informiert. Gerne währen wir an der Siegerehrung dabei gewesen, als 'unser Übungsleiter' zum Weltmeister geehrt wurde. Mit dem glanzvollen Resultat von 378 Punkten verteidigte das Team Schweiz ihren Titel in der Mannschaftswertung. Mit den Rängen 4, Erwin Patzen 191 Punkte und 7, Urs Marty 187 Punkte, wurden sehr gute Einzelresultate erzielt.

Herzliche Gratulation von den beiden Schlachtenbummlern Dino und Ernst.
Jessen war die Reise wert!

.

.